|
Bei weiterer Betrachtung von Prigogine's Thesen und der Thesen
anderer Evolutionisten fällt auf, dass sie alle in dieselbe
Falle getappt sind. Um Evolution mit der Thermodynamik in
Einklang zu bringen, versuchen Evolutionisten permanent, zu
beweisen, dass eine gegebene Ordnung in offenen Systemen entstehen
kann.
Die Täuschung liegt in der absichtlichen Vermengung der Begriffe
"geordnet" und "organisiert".
Wir können dies an einem Beispiel klarmachen. Stellen wir
uns einen völlig flachen Meeresstrand vor. Wenn eine starke
Welle auf den Strand trifft, bilden sich kleinere und größere
hügelige Unebenheiten auf der Sandoberfläche.
Es handelt sich hier um einen "Ordnung" herstellenden Prozess.
Der Strand ist ein offenes System und der Energiefluss, die
Welle, kann einfache, sehr regelmäßig aussehende Muster im
Sand erzeugen. Unter dem Gesichtspunkt der Thermodynamik wird
hier eine Ordnung herbeigeführt, wo vorher keine vorhanden
war. Doch es muss uns klar sein, dass dieselben Wellen niemals
eine Sandburg am Strand bauen werden. Wenn wir eine solche
Sandburg sehen, so haben wir keine Zweifel, dass diese von
jemandem gebaut worden ist, denn eine Sandburg ist ein "organisiertes"
System. Anders ausgedrückt, es besitzt ein klares Design,
und es steckt Information in ihm. Jeder einzelne Teil der
Sandburg wurde von einer intelligenten Entität geplant und
umgesetzt.
Der Unterschied zwischen dem bloßen Sand und der Sandburg
besteht darin, dass die Sandburg ein organisiertes komplexes
Gebilde ist, während der Sand lediglich eine durch wiederholten
Wellenschlag bewirkte Ordnung aufweist. Diese durch Wiederholung
entstandene Ordnung entspricht in etwa jener Ordnung, die
entsteht, wenn ein Objekt auf die Taste des Buchstabens "a"
einer Computertastatur fällt - die Energiezufuhr - und dort
liegen bleibt. Der dadurch hundertmal in der Form "aaaaaaaaaaaaaaaaaa..."
auf dem Bildschirm erscheinende Buchstabe "a" enthält jedoch
keinerlei Information und keine Komplexität. Um eine wirkliche
Informationen enthaltende Buchstabenfolge hervorzubringen,
einen Satz, einen Absatz oder ein Buch, bedarf es essentiell
der Anwesenheit von Intelligenz.
Dasselbe passiert prinzipiell, wenn zum Beispiel ein Windstoss
durch einen staubigen Raum bläst. Der soeben noch gleichmäßig
auf dem Boden verteilt gewesene Staub kann sich nun in einer
Ecke des Raumes abgelagert haben. Auch dies ist im Sinne der
Thermodynamik eine geordnetere Situation, als sie vorher vorhanden
gewesen war, doch können die einzelnen Staubpartikel sich
nicht in organisierter Weise auf dem Boden zusammen finden
und das Portrait eines Menschen bilden.
Dies alles bedeutet, dass komplexe, organisierte Systeme
niemals als Ergebnis natürlicher Prozesse entstehen können.
Die einfachen Ordnungen, die von Zeit zu Zeit entstehen, können
eine bestimmte Grenze nicht überschreiten.
Evolutionisten aber verweisen auf diese in der Natur auftretenden
Fälle von Selbstordnung als einen der wichtigsten Beweise
für die Existenz von Evolution und stellen sie als Beispiele
für Selbstorganisation dar. Aufgrund solch konzeptioneller
Verwirrung schlagen sie vor, lebende Systeme könnten sich
"aus eigenem Willen" durch Naturereignisse und chemische Reaktionen
entwickeln. Die zuvor betrachteten von Prigogine und seiner
Gefolgschaft angewandten Methoden und Studien bedienen sich
dieser irreführenden Logik.
Doch wie wir zu Beginn geklärt haben, sind organisierte Systeme
völlig andere Strukturen als lediglich geordnete Systeme.
Während geordnete Systeme aus durch simple Wiederholungen
entstandene Strukturen aufweisen, enthalten organisierte Systeme
hochkomplexe Strukturen und Prozesse, die oftmals ineinander
eingebettet sind. Damit solche Strukturen entstehen können,
braucht es Intelligenz, Wissen und Planung. Jeffrey Wicken,
ein evolutionistischer Wissenschaftler, beschreibt den prinzipiellen
Unterschied zwischen diesen beiden Systemen so:
"Organisierte" Systeme müssen von "geordneten"
Systemen genau unterschieden werden. Keines dieser Systeme
entsteht zufällig, doch während geordnete Systeme durch
simple Algorithmen beschrieben werden können, ihnen somit
also die Eigenschaft der Komplexität fehlt, müssen organisierte
Systeme Element für Element unter Befolgung eines externen
"Verdrahtungsplans" mit hohem Informationsgehalt zusammengefügt
werden... Organisation ist also funktionale Komplexität
und enthält Information.377
Ilya Prigogine - vielleicht aus evolutionistischem Wunschdenken
heraus - brachte die beiden Konzepte durcheinander und bezeichnete
Beispiele der Selbstordnung von Molekülen unter Energiezufuhr
als "Selbstorganisation".
Die amerikanischen Wissenschaftler Charles B. Thaxton, Walter
L. Bradley und Roger L. Olsen erklären es in ihrem Buch The
Mystery of Life's Origin (Das Geheimnis vom Ursprung des Lebens)
so:
... in jedem dieser Fälle wird die zufällige
Molekularbewegung in einer Flüssigkeit spontan durch ein
einer höheren Ordnung folgendes Verhalten ersetzt. Prigogine,
Eigen und andere haben vorgeschlagen, eine ähnliche Form
der Selbstorganisation könne der organischen Chemie immanent
sein und die für lebende Systeme notwendigen komplexen Makromoleküle
hervorbringen. Doch solche Analogien sind nur wenig relevant
für die Frage nach dem Ursprung des Lebens. Ein Hauptgrund
dafür ist, dass sie nicht unterscheiden zwischen Ordnung
und Komplexität...378
Dieselben Wissenschaftler kritisieren die auch die Oberflächlichkeit
der Logik und die generelle Verzerrtheit der Behauptung, die
Tatsache, dass Wasser zu Eis gefrieren kann, sei ein Beispiel
für die spontane Entstehung biologischer Ordnung:
Es ist oft mit der Analogie argumentiert
worden, so wie Wasser zu Eis kristallisiere, würden einfache
Monomere zu komplexen Molekülen wie Proteinen und DNS polymerisieren.
Die Analogie ist jedoch völlig unangebracht...
Die Kraft der Atombindung zwingt die Wassermoleküle
in ein geordnetes Kristallgitter, wenn die thermische Energiezufuhr,
die die Entropie befördernde Kraft also, durch Temperaturabsenkung
genügend reduziert wird. Organische
Monomere wie Aminosäuren aber weigern sich standhaft, gleichgültig
bei welcher Temperatur, überhaupt irgendeinen anderen Zustand
anzunehmen, ganz zu schweigen von einer geordneten Struktur.379
Prigogine verbrachte seine gesamten Berufsjahre mit dem Versuch,
Evolution und Thermodynamik in Einklang zu bringen, doch selbst
er gab zu, dass es keine Ähnlichkeit gebe zwischen der Kristallisation
des Wassers und dem Auftauchen komplexer biologischer Strukturen:
Der Punkt dabei ist, dass in einem nicht
isolierten System bei genügend geringer Temperatur die Möglichkeit
der Bildung einer wenig geordneten Struktur mit geringer
Entropie besteht. Dieses Ordnungsprinzip ist verantwortlich
für das Erscheinen geordneter Strukturen wie der Kristalle
sowie für Phasenübergänge. Leider kann
dieses Prinzip die Bildung biologischer Strukturen nicht
erklären.380
Kurz, kein chemischer oder physikalischer Effekt kann den
Ursprung des Lebens erklären und das Konzept der "Selbstorganisation
von Materie" wird ein Phantasiegebilde bleiben.
  
377 Jeffrey
S. Wicken, "The Generation of Complexity in Evolution:
A Thermodynamic and Information-Theoretical Discussion,"
Journal of Theoretical Biology, vol. 77, April 1979, S. 349.
378 Charles B. Thaxton, Walter L. Bradley
& Roger L. Olsen, The Mystery of Life's Origin: Reassessing
Current Theories, 4th edition, Dallas, 1992, S. 151.
379 C. B. Thaxton, W. L. Bradley, and
R. L. Olsen, The Mystery of Life's Origin: Reassessing Current
Theories, Lewis and Stanley, Texas, 1992, S. 120. (Hervorhebung
wurde hinzugefügt)
380 I. Prigogine, G. Nicolis ve A. Babloyants,
"Thermodynamics of Evolution," Physics Today, November
1972, vol. 25, S. 23. (Hervorhebung wurde hinzugefügt)
|