Ilya Prigogine und der Mythos der Selbstorganisation der Materie

Im Bewusstsein der Tatsache, das der zweite Hauptsatz der Thermodynamik Evolution unmöglich macht, haben manche evolutionistischen Wissenschaftler trotzdem versucht, die Quadratur des Kreises hinzubekommen, um weiterhin behaupten zu können, Evolution sei möglich.


Ilya Prigogine

Einer der sich besonders hervortat bei dem Versuch, Thermodynamik und Evolution in Einklang zu bringen, ist der belgische Wissenschaftler Ilya Prigogine.

Ausgehend von der Chaostheorie, stellte Prigogine eine Anzahl Hypothesen auf, nach denen sich eine Ordnung aus dem Chaos entwickeln soll. Doch trotz aller Anstrengungen war er nicht in der Lage, Thermodynamik und Evolution in Übereinstimmung zu bringen.

Durch seine Studien versuchte er, irreversible physikalische Prozesse mit dem evolutionistischen Szenario des Ursprungs des Lebens in Verbindung zu bringen, doch es gelang ihm nicht. Seine Bücher, die ausschließlich theoretischer Natur sind und eine Vielzahl mathematischer Lehrsätze enthalten, die auf das reale Leben nicht anwendbar sind und deren Stichhaltigkeit nicht beobachtet werden kann, sind von Wissenschaftlern kritisiert worden, die als Experten auf den Gebieten der Physik, Chemie und Thermodynamik gelten und diese Wissenschaftler waren sich darin einig, dass Prigogines Vorschläge keine praktische Verwertbarkeit besitzen.

P. Hohenberg, Physiker und einer der Autoren von Review of Modern Physics (Kompendium der modernen Physik) der als Experte für statistische Mechanik und Musterentstehung gilt, kommentiert Prigogines Studien in der Mai-Ausgabe des Scientific American von 1995:

Ich kenne kein einziges Phänomen, dass von seiner Theorie erklärt wurde.370

Cosma Shalizi, theoretischer Physiker an der Universität von Wisconsin, sagt folgendes über die Tatsache, dass Prigogines Studien keine konkrete Schlussfolgerung oder Erklärung liefern:

... in den knapp unter 500 Seiten seines Buches Self-Organization in Nonequilibrium Systems (Selbstorganisation in ungleichgewichtigen Systemen) gibt es gerade mal vier Absätze, die reale Daten dieser Welt enthalten und keinen einzigen Vergleich eines seiner Modelle mit experimentellen Ergebnissen. Im übrigen haben seine Vorstellungen über Irreversibilität nicht das geringste zu tun mit Selbstorganisation, mit Ausnahme der Tatsache, dass beides Themen der statistischen Physik sind.371

Die physikalischen Studien des überzeugten Materialisten Prigogine geschahen auch in der Absicht, die Evolutionstheorie zu unterstützen, die sich in klarem Widerspruch zum Prinzip der Entropie bzw. dem zweiten thermodynamischen Hauptsatz befindet, der wie wir uns erinnern, besagt: Eine den natürlichen Bedingungen überlassene komplexe, organisierte Struktur tendiert zu abnehmendem Organisationsgrad, abnehmender Komplexität und zu Verlust an Information. Dagegen behauptet die Evolutionstheorie, ungeordnete, wahllos verteilte Atome und Moleküle hätten sich zusammengefunden und die Lebewesen mit ihren organisierten Systemen hervorgebracht.

Prigogine war entschlossen, Formeln zu finden, die diesen Prozess möglich machen sollten.

Doch all seine Anstrengungen erbrachten nichts.

Die beiden wichtigsten Theorien, die herauskamen, waren die Theorie der Selbstorganisation und die Theorie "dissipativer (verteilter) Strukturen". Erstere behauptet, einfache Moleküle könnten sich zusammenfinden und sich in komplexen, lebenden Systemen organisieren, die zweite besagt, komplexe Strukturen könnten in ungeordneten entropischen Systemen auftauchen. Leider haben beide Theorien keinen anderen praktischen und wissenschaftlichen Wert, als neue, imaginäre Welten für Evolutionisten zu schaffen.

Die Tatsache, dass diese Theorien überhaupt nichts erklären und keinerlei Resultate erbrachten, wird von vielen Wissenschaftlern zugegeben. Der bekannte Physiker Joel Keizer schreibt: "Seine angenommenen Kriterien zur Voraussage der Stabilität von ungleichgewichtigen, verteilten Strukturen sind falsch - ausgenommen bei jenen Zuständen, die sich bereits sehr nahe an einem Gleichgewicht befinden.372

Der theoretische Physiker Cosma Shalizi sagt dazu: "Zweitens, er versuchte als erster, eine präzise, wohlfundierte Studie über Musterbildung und Selbstorganisation vorzulegen. Es war ein Fehlschlag, doch gleichwohl ein inspirierender Versuch."373

F. Eugene Yates, Herausgeber von Self-Organizing Systems: The Emergence of Order (Selbstorganisierende Systeme: das Entstehen von Ordnung) fasst die Kritik von Daniel L. Stein und des Nobelpreisträgers Phillip W. Anderson an Prigogine in einem Essay so zusammen:

Die Autoren vergleichen Symmetriebrüche in thermodynamischen gleichgewichtigen Systemen (die zu Phasenübergängen führen) und in ungleichgewichtigen Systemen (wo sie zu dissipativen Strukturen führen). Daher glauben die Autoren nicht, dass die Spekulation über dissipative Strukturen und deren gebrochene Symmetrien zum gegenwärtigen Zeitpunkt für Ursprung und andauernde Existenz des Lebens relevant ist.374

Kurz gesagt, Prigogine's theoretische Studien sind wertlos für die Erklärung des Ursprungs des Lebens. Dieselben Autoren kommentieren weiter:

Im Gegensatz zu Darstellungen in einer Reihe von Büchern und Artikeln zu diesem Gebiet glauben wir, dass es eine solche Theorie nicht gibt und dass es sogar sein kann, dass es auch die von Prigogine, Haken und ihren Mitarbeitern als existierend angenommen Strukturen gar nicht gibt.375

Experten auf diesem Gebiet sind also im wesentlichen der Auffassung, dass keine der von Prigogine aufgestellten Thesen richtig ist und dass die von ihm vorausgesetzten dissipativen Strukturen vielleicht nicht einmal existieren. Pyridoxine's Annahmen werden sehr detailliert in Jean Bricmont's Artikel Science of Chaos or Chaos in Science? (Wissenschaft über Chaos oder Chaos in der Wissenschaft?) abgehandelt, in dem ihre Ungültigkeit deutlich wird.

Trotz der Tatsache, dass Prigogine keinen Weg fand, die Existenz der Evolution zu bestätigen, brachte ihm allein der Versuch dieses Unternehmens den allerhöchsten Respekt der Evolutionisten ein. Eine große Zahl Evolutionisten hieß Prigogine's Konzept der Selbstorganisation hoffnungsvoll und mit geradezu abergläubischer Voreingenommenheit willkommen. Prigogine's Theorien und Konzepte haben viele Zeitgenossen, die nicht viel von diesem Thema verstehen, dahingehend überzeugt, die Evolution habe das thermodynamische Dilemma überwunden, wohingegen Prigogine selbst seine Theorien als nur auf molekularer Ebene gültig ansah und sie nicht auf lebende Systeme angewendet sehen wollte:

Das Problem biologischer Ordnung umfasst den Übergang von molekularer Aktivität zur supermolekularen Ordnung der Zelle. Dieses Problem ist noch weit von einer Lösung entfernt.376

Solcherart sind die Spekulationen, denen sich Evolutionisten hingeben, ermutigt von Prigogine's Theorien, die dazu gedacht waren, den Konflikt zwischen Evolution und physikalischen Gesetzen beizulegen.

370 "From Complexity to Perplexity," Scientific American, Mai 1995.
371 Cosma Shalizi, "Ilya Prigogine," October 10, 2001, www.santafe.edu/~shalizi/notebooks/prigogine.html. (Hervorhebung wurde hinzugefügt)
372 Joel Keizer, "Statistical Thermodynamics of Nonequilibrium Processes," Springer-Verlag, Berlin, 1987, S. 360-1. (Hervorhebung wurde hinzugefügt)
373 Cosma Shalizi, "Ilya Prigogine," October 10, 2001, www.santafe.edu/~shalizi/notebooks/prigogine.html. (Hervorhebung wurde hinzugefügt)
374 F. Eugene Yates, Self-Organizing Systems: The Emergence of Order, "Broken Symmetry, Emergent Properties, Dissipative Structures, Life: Are They Related," Plenum Press, New York, 1987, S. 445-457. (Hervorhebung wurde hinzugefügt)
375 F. Eugene Yates, Self-Organizing Systems: The Emergence of Order, "Broken Symmetry, Emergent Properties, Dissipative Structures, Life: Are They Related" (NY: Plenum Press, 1987), S. 447.
376 Ilya Prigogine, Isabelle Stengers, Order Out of Chaos, Bantam Books, New York, 1984, S. 175.

 
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