Die Nichtigkeit der RNS-Welt

Die Entdeckung aus den 1970er Jahren, dass die Originalgase der frühen Erdatmosphäre die Aminosäuresynthese unmöglich gemacht hätte, war ein schwerer Schlag für die Theorie der chemischen Evolution. Evolutionisten hatten der Tatsache ins Gesicht zu sehen, dass die "Experimente unter Bedingungen der primitiven Erdatmosphäre" von Stanley Miller, Sydney Fox, Cyril Ponnamperuma und anderen, wertlos waren. Daher versuchten die Evolutionisten es in den 1980er Jahren erneut. Dabei kam die "RNS-Welt" Hypothese heraus. Dieses Szenario schlägt vor, dass nicht die Proteine, sondern die RNS Moleküle, die die Informationen zur Proteinbildung enthalten, zuerst entstanden seien.

Nach diesem Szenario, vorgeschlagen 1986 von dem Harvard Chemiker Walter Gilbert, der von der Entdeckung der "Ribozyme" durch Thomas Cech inspiriert war, entstand vor Milliarden Jahren durch Zufall ein replikationsfähiges RNS Molekül. Dieses begann, von externen Einflüssen aktiviert, Proteine herzustellen. Nun wurde es nötig, die dazu notwendige Information in einem zweiten Molekül zu speichern, und irgendwie tauchte jetzt das DNS Molekül zu diesem Zweck auf. Dieses kaum glaubwürdige Szenario besteht in jedem seiner Stadien aus einer Kette von Unmöglichkeiten und ist weit davon entfernt, irgendeine Erklärung für den Ursprung des Lebens zu liefern; es vergrößert nur das Problem und wirft viele ungelöste Fragen auf:

1- Da es unmöglich ist, die zufällige Bildung auch nur eines einzigen Nukleotids zu akzeptieren, aus denen die RNS besteht, wie sollen dann diese imaginären Nukleotide in der Lage sein, durch Kombination zu einer bestimmten Reihenfolge RNS zu bilden? Der Evolutionist John Horgan gibt die Unmöglichkeit der zufälligen RNS Bildung zu:

Je länger und genauer Wissenschaftler das RNS-Welt Konzept untersuchen, umso mehr Probleme tauchen auf. Wie entstand RNS das erste Mal? RNS und ihre Komponenten sind nur schwer unter den besten Laborbedingungen zu synthetisieren, geschweige denn unter wirklich plausiblen Bedingungen.274

2- Selbst wenn wir annehmen, sie haben sich zufällig geformt, wie konnte dann diese RNS, bestehend aus nur einer einzigen Nukleotidkette, "beschlossen" haben sich zu duplizieren und mit welcher Art Mechanismus? Wo fand sie die benötigten Nukleotiden für den Replikationsprozess? Selbst die evolutionistischen Mikrobiologen Gerald Joyce and Leslie Orgel beschreiben diese verzweifelte Situation in ihrem Buch In the RNA World (In der RNS-Welt):

Diese Diskussion... fokussiert in gewisser Weise auf einen Strohmann: Dem Mythos von dem sich selbst replizierenden RNS Molekül, dass aus einer Suppe zufällig zusammengewürfelter Polynukleotide aufsteigt. Diese Sichtweise ist nicht nur im Licht unseres herrschenden Verständnisses der präbiotischen Chemie unrealistisch, sie überstrapaziert, was das katalytische Potential der RNS angeht, auch die Leichtgläubigkeit eines Optimisten.275

3- Selbst wenn wir annehmen, es habe selbstreplizierende RNS in der urzeitlichen Welt gegeben, dass zahlreiche Aminosäuren jeden Typus' verfügbar gewesen seien, deren sich die RNS hätte bedienen können, dass also all die Unmöglichkeiten irgendwie doch stattgefunden hätten, die Situation hätte gleichwohl nicht zur Bildung eines einzigen Proteins geführt; denn die RNS enthält ausschließlich die Informationen über die Proteinstruktur. Aminosäuren sind jedoch "Rohmaterialien". Trotzdem gibt es keinen Mechanismus zur Proteinproduktion. Die Existenz von RNS als ausreichend für die Proteinproduktion zu betrachten, ist genauso unsinnig, wie zu erwarten, den Konstruktionsplan eines Autos auf einen Haufen aufgestapelter Autoteile zu werfen, würde den Zusammenbau des Autos entsprechend der im Bauplan niedergelegten Instruktionen veranlassen, ohne dass dazu eine Fabrik und Arbeiter nötig wären. Genau so wenig kann der in der RNS enthaltene Bauplan von selbst Proteine herstellen, ohne die Kooperation anderer zellularer Komponenten, die den in der RNS enthaltenen Anweisungen folgen.

Proteine werden in einer "Ribosomenfabrik" mithilfe zahlreicher Enzyme in einem extrem komplizierten Prozess innerhalb einer Zelle produziert. Ein Ribosom ist eine aus Proteinen bestehende komplexe Zellorganelle. Dies führt zwangsläufig zu einer weiteren unvernünftigen Annahme, nämlich der, dass auch Ribosomen zur gleichen Zeit zufällig entstanden sein müssen. Selbst Nobelpreisträger Jacques Monod, der einer der fanatischsten Verteidiger der Evolution und des Atheismus' war, erklärte, Proteinsynthese könne niemals lediglich auf der in den Nukleinsäuren enthaltenen Information basieren:

Der Code ist bedeutungslos, solange er nicht übersetzt ist. Der Übersetzungsmechanismus einer modernen Zelle besteht aus wenigstens 50 makromolekularen Komponenten, die wiederum selbst in DNS codiert sind: der Code kann nicht übersetzt werden außer durch bereits übersetzten Code selbst. Es ist der moderne Ausdruck für "omne vivum ex ovo". Wann und wie wurde dieser Kreis geschlossen? Es ist äußerst schwer, sich das vorzustellen.276

Wie hätte eine RNS Kette in der urzeitlichen Welt eine solche Entscheidung treffen sollen, und welche Methoden sollte sie angewendet haben, um selber eine Proteinproduktion zu bewerkstelligen, die die Einbeziehung der Arbeit von 50 spezialisierten Partikeln erfordert? Evolutionisten haben keine Antwort auf diese Fragen. Ein Artikel aus dem hervorragenden Wissenschaftsmagazin Nature macht klar, dass das Konzept der "sich selbst duplizierenden RNS" ein vollständiges Phantasieprodukt ist und das tatsächlich experimentell eine solche RNS bisher nicht erzeugt werden konnte:

Die DNS Replikation ist derart fehleranfällig, dass sie die vorherige Existenz von Proteinenzymen voraussetzt, die die Kopiertreue eines gengroßen Teils der DNS verbessern. Catch-22 (Jargon: Teufelskreis) meinen Maynard Smith und Szathmary. Weitere Überlegungen zur RNS mit ihren heute bekannten Eigenschaften, sowohl Information zu tragen als auch enzymatisch aktiv zu sein, führen die Autoren zu der Feststellung: "Im Wesentlichen brauchten die ersten RNS Moleküle keine Protein-Polymerase um sich zu replizieren, sie replizierten sich selbst." Ist das Tatsache oder Hoffnung? Ich hätte es für relevant gehalten, Biologen generell darauf hinzuweisen, dass unter den Quadrillionen künstlich synthetisierten Zufalls-RNA-Sequenzen nicht eine einzige selbst replizierende gewesen ist.277

Leslie Orgel benutzt den Ausdruck "Szenario" für die Möglichkeit der "Entstehung von Leben anhand der Theorie der RNS-Welt". In seinem Artikel "The Origin of Life" (Der Ursprung des Lebens), erschienen im Scientific American vom Oktober 1994, beschreibt er, welche Eigenschaften diese RNS gehabt haben müsste und deren Unmöglichkeit des Auftretens:

Dieses Szenario könnte so abgelaufen sein, wenn die präbiotische RNS zwei Eigenschaften gehabt hätte, die jedoch heute nicht nachgewiesen werden können: Replikationsfähigkeit ohne auf Proteine angewiesen zu sein und die Fähigkeit, jeden einzelnen Schritt der Proteinsynthese selbst zu katalysieren.278

Wie nun klar sein sollte, widerspricht die Erwartung, diese beiden extrem komplexen und wesentlichen Prozesse könnten von einem Molekül wie der RNS geleistet worden sein, jedem wissenschaftlichen Denken. Auf der anderen Seite machen konkrete wissenschaftliche Fakten deutlich, dass die RNS-Welt Hypothese, das neu vorgeschlagene Modell, das die zufällige Entstehung des Lebens erklären soll, ein ebenso unplausibles Märchen ist. John Horgan berichtet in seinem Buch The End of Science (Das Ende der Wissenschaft), dass Stanley Miller seine eigenen Theorien über den Ursprung des Lebens nachträglich als ziemlich bedeutungslos ansah:

Tatsächlich sagte Miller mir 40 Jahre nach seinem Originalexperiment, dass die Lösung des Rätsels vom Ursprung des Lebens schwieriger sei, als er oder irgendjemand sonst es sich habe vorstellen können... Miller schien unbeeindruckt von allen aktuellen Vorschlägen über den Ursprung des Lebens, die er als "Unsinn" oder "Papierchemie" bezeichnete. Seine Haltung gegenüber einigen dieser Hypothesen war so verachtend, dass er, als ich ihn nach seiner Meinung darüber fragte, nur den Kopf schüttelte, tief seufzte und kicherte, als sei er von der Torheit der Menschheit überwältigt. Stuart Kauffman's Theorie der Autokatalyse fiel in diese Kategorie. "Gleichungen durch einen Computer zu jagen, ist kein Experiment", schnaubte er. Miller erkannte an, dass Wissenschaftler vielleicht niemals genau herausbekommen werden, wo und wann das Leben auftauchte.279

Diese Aussage eines Pioniers der Bemühungen, eine evolutionistische Erklärung für den Ursprung des Lebens zu finden, zeigt deutlich die Verzweiflung der evolutionistischen Wissenschaftler über die Sackgasse, in der sie sich befinden.

274 John Horgan, "In the Beginning," Scientific American, vol. 264, February 1991, S. 119.
275 G. F. Joyce, L. E. Orgel, "Prospects for Understanding the Origin of the RNA World," In the RNA World, Cold Spring Harbor Laboratory Press, New York, 1993, S. 13.
276 Jacques Monod, Chance and Necessity, New York, 1971, S. 143. (Hervorhebung wurde hinzugefügt)
277 Dover, Gabby L., Looping the Evolutionary loop, review of the origin of life from the birth of life to the origin of language, Nature, 1999, vol. 399, S. 218. (Hervorhebung wurde hinzugefügt)
278 Leslie E. Orgel, "The Origin of Life on the Earth," Scientific American, October 1994, vol. 271, S. 78.
279 Horgan, John, The End of Science, MA Addison-Wesley, 1996, S. 139.

 
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