Das Design des Ohrs

Ein weiteres interessantes Beispiel für irreduzibel komplexe Organe der Lebewesen ist das menschliche Ohr.

Am Anfang des Hörprozesses stehen Schallschwingungen, die durch Ohrmuschel und äußeren Gehörgang durch eine Art "Megaphoneffekt" verstärkt werden. Hierdurch steigt die Lautstärke des wahrgenommenen Schalls beträchtlich an. Eine besondere Eigenschaft des etwa dreieinhalb Zentimeter langen äußeren Gehörgangs ist die konstante Absonderung eines Sekrets. Dieses "Ohrenschmalz" enthält ein natürliches Antiseptikum, das Bakterien und Insekten aus dem Gehörgang fernhält. Die Zellen an der Oberfläche des Gehörgangs sind spiralförmig ausgerichtet, damit das Sekret nach aussen abfließen kann.

Die Schallwellen erreichen durch den Gehörgang das Trommelfell. Diese Membrane ist so empfindlich, dass sie sogar Schwingungen auf molekularer Ebene wahrnehmen kann. Dank der außerordentlichen Empfindlichkeit des Trommelfells können wir auch aus großer Entfernung jemanden flüstern hören. Eine weitere außerordentliche Eigenschaft des Trommelfells ist, dass es nach Anregung durch eine Schallwelle sofort wieder in seinen normalen Zustand zurückkehrt. Berechnungen haben gezeigt, dass das Trommelfell nach Empfang der allergeringsten Vibration innerhalb von weniger als einer viertausendstel Sekunde in seinen Ruhezustand zurückkehrt. Würde dies nicht so sein, würde jeder gehörte Ton in unseren Ohren nachhallen.

Das Trommelfell verstärkt die ankommenden Schwingungen noch einmal und leitet sie an das Mittelohr weiter. Hier befinden sich drei sehr filigrane, miteinander verbundene Knöchelchen, die die eintreffenden Schwingungen ein letztes Mal verstärken, Hammer, Amboss und Steigbügel. Doch das Mittelohr verfügt auch über eine Art "Schalldämpfer", der sehr große Lautstärken reduziert, bevor sie das Innenohr erreichen. Er wird gebildet durch die kleinsten Muskeln des Körpers, die Hammer, Amboss und Steigbügel steuern. Sie sind durch unseren Willen nicht beeinflussbar, sondern treten automatisch selbst im Schlaf in Aktion. Sobald ein extrem lautes Geräusch in unserer Nähe auftritt, kontraktieren diese Muskeln und verringern die Intensität der Schwingung, die das innere Ohr erreicht.

Das Mittelohr muss ein wichtiges Gleichgewicht aufrechterhalten. Der Luftdruck innerhalb des Mittelohrs muss derselbe sein, wie der atmosphärische Aussendruck. Dies wird gewährleistet durch einen dünnen, druckausgleichenden Luftkanal zwischen Mittelohr und Mundhöhle, die Eustach'sche Röhre.

 
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