Die falsche Vorstellung über Makromutationen

Die erste Hypothese - Makromutationen sind vorteilhaft und erzeugen neue genetische Informationen - widerspricht gesicherten Erkenntnissen der Genetik.

Eine von R. A. Fisher, einem der bekanntesten Genetiker des vergangenen Jahrhunderts, entdeckte Regel widerlegt diese Hypothese. Fisher führt in seinem Buch The Genetical Theory of Natural Selection (Die Theorie der natürlichen Selektion in der Genetik) aus, dass die Wahrscheinlichkeit der Durchsetzung einer bestimmten Mutation innerhalb einer Population umgekehrt proportional ist zu ihrem Einfluss auf das Erscheinungsbild ihrer Mitglieder.175 Anders ausgedrückt, je größer die Mutation, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich als permanente Eigenschaft innerhalb der Gruppe durchsetzt.

Es ist nicht schwer, den Grund dafür zu erkennen. Mutationen sind per Definition zufällige Veränderungen im genetischen Code und haben niemals einen vorteilhaften Effekt auf das Genom eines Organismusses. Im Gegenteil: mutierte Exemplare einer Population weisen ernsthafte Krankheiten und Missbildungen auf. Aus diesem Grund gilt: je größer die Auswirkungen einer Mutation sind, umso kleiner wird die Chance, dass das betroffene Individuum überlebt.

Ernst Mayr, graue Eminenz des Darwinismus, kommentiert dies so:

Das Auftauchen mutationsbedingter Monstrositäten ist zweifelsfrei nachgewiesen, es handelt sich um so offensichtliche Missbildungen, dass man die Überlebenschancen solcher Ungeheuer nur als hoffnungslos bezeichnen kann. Sie sind so unangepasst, dass sie nicht die geringste Chance haben, der Eliminierung durch stabilisierende Selektion zu entgehen... je drastischer der Phenotypus von einer Mutation betroffen wird, umso wahrscheinlicher wird die Überlebensfähigkeit herabgesetzt. Zu glauben, eine solch einschneidende Mutation würde einen lebensfähigen neuen Typus hervorbringen, fähig eine neue Nische zu besetzen, ist dasselbe wie Wunderglaube... Das dieses "hoffnungslose Monster" einen passenden Partner findet und sich in seiner Isolation abseits von den normalen Mitgliedern der Elternpopulation reproduzieren kann, scheint mir ein unüberwindbares Problem zu sein.176

Es ist offensichtlich, dass Mutationen keine evolutionäre Entwicklung auslösen können, und diese Tatsache bringt sowohl den Neo-Darwinismus als auch die Theorie des intermittierenden Gleichgewichts in große Schwierigkeiten. Da Mutation ein zerstörerischer Mechanismus ist, müssen die Makromutationen, die die Vertreter der Theorie des intermittierenden Gleichgewichts annehmen, "makro-zerstörerische" Effekte haben. Manche Evolutionisten setzen ihre Hoffnungen bezüglich der Mutationen in die Regulator-Gene der DNS. Doch die zerstörerischen Eigenschaften, die für andere Mutationen gelten, gelten für die Regulator-Gene genauso. Das Problem besteht darin, dass eine Mutation ein zufällige Veränderung ist: jede zufällige Veränderung einer so komplexen Struktur, wie die von genetischen Daten, wird zu schädlichen Ergebnissen führen.


Zwei berühmte Befürworter des Modells der sprunghaften Evolution. Stephen Jay Gould und Niles Eldredge.

In ihrem Buch The Natural Limits to Biological Change (Die natürlichen Grenzen biologischer Veränderungen) beschreiben der Genetiker Lane Lester und der Populationsbiologe Raymond Bohlin die Sackgasse, in die der Gedanke der Makromutation geführt hat:

Der generelle Faktor, der wieder und wieder auftaucht, ist der, dass Mutation die grundsätzliche Quelle jedes Evolutionsmodells bleibt. Als sich die Möglichkeit der Akkumulation kleiner punktueller Mutationen als unbefriedigend erwies, wandten sich viele den Makromutationen zu, um die Herkunft evolutionärer Neuerungen zu erklären. Goldschmidt's "hoffnungsfrohe Monster" sind tatsächlich zurückgekehrt. Doch obwohl Makromutationen vielerlei Ausprägungen drastische Veränderungen hervorrufen, wird die große Mehrheit der Betroffenen unfähig sein zu überleben, geschweige denn, Anzeichen zunehmender Komplexität aufzuweisen. Wenn strukturelle Genmutationen wegen ihrer Unfähigkeit, Veränderungen hervorzurufen, die signifikant genug wären, inadäquat sind, dann erscheinen Regulations- und Entwicklungsmutationen noch nutzloser wegen ihrer größeren Wahrscheinlichkeit nicht angepasster oder sogar zerstörerischer Konsequenzen... Eines jedoch scheint sicher zu sein: Zur Zeit jedenfalls ist die These, dass Mutationen, ob groß oder klein, fähig seien, unbegrenzte biologische Veränderungen hervorzurufen, eher eine Frage des Glaubens als der gesicherten Erkenntnis.177

Beobachtung und Experiment zeigen, dass Mutationen den Genpool nicht bereichern, sondern den Lebewesen eher schaden. Daher ist es völlig irrational, wenn die Vertreter der Theorie des intermittierenden Gleichgewichts erwarten, mit ihr bezüglich der Rolle der Mutationen erfolgreicher zu sein, als der Mainstream der Neo-Darwinisten.

175 R. A. Fisher, The Genetical Theory of Natural Selection, Oxford University Press, Oxford, 1930.
176 Ernst Mayr, Populations, Species, and Evolution, Belknap Press, Cambridge, 1970, p. 235.
177 Lane P. Lester, Raymond G. Bohlin, The Natural Limits to Biological Change, Probe Books, Dallas, 1989, pp. 141-142. (emphasis added)

 
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