|
Lange Zeit tauchte in der evolutionistischen Literatur regelmäßig
das Konzept der "verkümmerten Organe" als "Beweis" für die
Evolution auf. Als es sich später als falsch erwies, wurde
es in aller Stille beerdigt. Doch manche Evolutionisten glauben
noch daran, und von Zeit zu Zeit versucht immer wieder einmal
jemand, "verkümmerte Organe" als Evolutionsbeweis aufzutischen.

Eine wissenschaftliche Studie über den Mythos der
verkümmerten Organe: "Verkümmerte Organe sind voll
funktionsfähig". |
Die Idee der verkümmerten Organe wurde das erste Mal vor
einem Jahrhundert vorgestellt. Nach den Vorstellungen der
Evolutionisten gibt es in den Körpern mancher Lebewesen eine
Reihe nicht-funktioneller Organe. Diese seien von Vorfahren
ererbt und aus Mangel an Gebrauch allmählich verkümmert.
Die gesamte Vorstellung ist völlig unwissenschaftlich und
basiert vollständig auf mangelnder Kenntnis. Jene unfunktionalen
Organe waren in Wahrheit solche, deren Funktion man schlicht
noch nicht entdeckt hatte. Der beste Indikator dafür war die
von den Evolutionisten aufgestellte stetig kürzer werdende
Liste verkümmerter Organe. S. R. Scadding, selbst Evolutionist,
behandelte das Thema in seinem Artikel "Can vestigial organs
constitute evidence for evolution?" (Können verkümmerte Organe
Beweis der Evolution sein?) veröffentlicht im Journal Evolutionary
Theory (Evolutionäre Theorie):
Da es unmöglich ist, nutzlose Strukturen
unzweideutig zu identifizieren, und da das benutzte Argument
wissenschaftlich nicht gültig ist, schließe ich, dass "verkümmerte
Organe" keine besondere Beweiskraft für die Evolutionstheorie
haben.312
Die Liste verkümmerter Organe des deutschen Anatomen R. Wiedersheim
von 1895 enthielt annähernd 100 Organe, einschließlich Blinddarm
und Steißbein. Mit fortschreitendem Kenntnisstand der Wissenschaft
stellte sich heraus, dass nahezu alle Organe auf der Liste
in Wahrheit sehr wichtige Funktionen haben. Zum Beispiel fand
man heraus, dass der Blinddarm keineswegs nutzlos und überflüssig,
sondern ein lymphatisches Organ ist, das Infektionen im Körper
bekämpft. 1997 war im The Merck Manual of Medical Information
(Merck's Handbuch der Medizinischen Information) zu lesen:
Andere Körperorgane und -gewebe - die
Thymusdrüse, Leber, Milz, Appendix (Blinddarm), Knochenmark
und kleine Ansammlungen lymphatischen Gewebes, wie die Gaumenmandeln...
- sind ebenso Teile des Lymphsystems. Auch sie helfen dem
Körper, Infektionen zu bekämpfen.313

Der Blinddarm (unten), den die Evolutionisten für ein
verkümmertes Organ hielten, ist inzwischen als ein Organ
erkannt worden, das eine wichtige Rolle im Immunsystem
des Körpers spielt. Das Steißbein am unteren Ende der
Wirbelsäule ist ebenfalls kein verkümmertes Organ, sondern
eine Stütze des Beckens. |
|
Auch wurde entdeckt, dass die Mandeln, die auf der Liste der
verkümmerten Organe standen, eine Hauptrolle bei der Abwehr
von Halsinfektionen spielen, besonders bis zur Pubertät. Weiter
fand man heraus, dass das Steißbein den Beckengürtel unterstützt,
weil es der Angelpunkt verschiedener kleiner Muskeln ist; man
könnte ohne Steißbein nicht komfortabel sitzen.
In den folgenden Jahren erkannte man, dass die Thymusdrüse
die T-Zellen des Immunsystems aktiviert, dass die Zirbeldrüse
wichtige Hormone wie Melatonin absondert, welches die Sekretion
von Gelbkörper produzierenden Hormonen hemmt, dass die Schilddrüse
das stetige Wachstum von Babys und Kindern sowie den Stoffwechsel
steuert und dass die Hirnanhangsdrüse zuständig ist für das
Skelettwachstum und die richtige Funktion der Schilddrüse
und der Fortpflanzungsdrüsen. Die halbmondförmige Augenfalte,
die Darwin als verkümmertes Organ ansah, dient in Wahrheit
der Reinigung und Befeuchtung des Augapfels. All die genannten
Organe waren einst als "verkümmert" angesehen worden.
Es gab einen gravierenden Logikfehler in der evolutionistischen
Behauptung der verkümmerten Organe. Diese sollten von Vorfahren
ererbt worden sein. Doch einige der als "verkümmert" angenommenen
Organe waren bei den angeblichen Vorfahren der Menschen überhaupt
nicht vorhanden! Zum Beispiel existiert der Blinddarm bei
manchen Affenarten nicht, von denen behauptet wird, Vorfahren
des Menschen gewesen zu sein. Der berühmte Biologe H. Enoch,
der die Theorie der verkümmerten Organe in Frage stellte,
erklärt diesen logischen Fehler folgendermaßen:
Affen besitzen einen Blinddarm, ihre weniger
unmittelbaren Verwandten, niedere Affenarten, nicht, doch
bei noch weiter entfernt verwandten Säugetieren wie dem
Opossum taucht er wieder auf. Wie wollen Evolutionisten
dass erklären?314
Neben alledem trägt die Behauptung, ein nicht benutztes Organ
atrophiere und verschwinde im Lauf der Zeit, eine logische
Inkonsistenz in sich. Darwin war sich dessen bewusst und machte
in The Origin of Species (Der Ursprung der Arten) folgendes
Eingeständnis:
Es bleibt jedoch diese Schwierigkeit.
Wenn ein Organ nicht mehr benutzt wird und sich infolgedessen
stark verkleinert, wie kann es seine Größe weiter reduzieren
bis nur noch die kleinste Spur von ihm übrig ist, und wie
kann es endlich vollständig verschwinden? Es ist kaum möglich,
dass Nichtgebrauch irgendeinen anderen Effekt herbeiführen
kann, nachdem das Organ einmal funktionsunfähig geworden
ist. Hier ist zusätzliche Erklärung vonnöten, die ich nicht
liefern kann.315
Einfach ausgedrückt, das evolutionistische Szenario der verkümmerten
Organe enthält eine Reihe ernsthafter logischer Mängel und
hat sich auf alle Fälle als wissenschaftlich unhaltbar erwiesen.
Der menschliche Körper hat kein einziges ererbtes, verkümmertes
Organ.
  
312 S. R.
Scadding, "Do 'Vestigial Organs' Provide Evidence for
Evolution?," Evolutionary Theory, vol. 5, Mai 1981, S.
173.
313 The Merck Manual of Medical Information,
Home edition, Merck & Co., Inc. The Merck Publishing Group,
Rahway, New Jersey, 1997.
314 H. Enoch, Creation and Evolution,
New York, 1966, S. 18-19.
315 Charles Darwin, Origin of Species,
http://www.zoo.uib.no/classics/darwin/origin.chap14.html.
|